Von Inkompetenz zu Kompetenz – lernen übers Lernen

Von Inkompetenz zu Kompetenz – lernen übers Lernen

Gelernt habe ich schon viel in meinem Leben, doch manchmal vergesse ich, was ich schon alles lernen durfte. Nie habe ich mir wirklich Gedanken darüber gemacht, wie lernen eigentlich funktioniert – ich tat es einfach.

Wir alle haben einen eingebauten Lerntrieb. Das Gehirn „sucht“ nach Anregung und Abwechslung und versucht damit, neue Denk- und Erklärungskonzepte zu erstellen.

Jeder lernt allerdings auf andere Art effektiv. Schon damals im Studium erfuhr ich das am eigenen Leib. Das erste Mal: “lies dieses Buch, dann wird die Prüfung auch bestanden” hat mich etwas überfordert, so viel niedergeschriebenes Wissen, doch wo fängt man da an? Heute lerne ich viel durch Bücher, doch „viel Inhalt“ bedeutet nicht gleich immer „viel lernen“.

Beim Lernen aktivieren Sinnesreize die sogenannten Synapsen (Verbindungsstellen zwischen Nerven oder zwischen Nerven und Sinneszellen). Über diese Verbindungsstellen werden Signale geleitet. Die Anzahl der aktiven Synapsen entscheidet über den Lernerfolg, denn je mehr Synapsen beteiligt sind, desto tiefer werden Informationen im Gehirn verankert.

Was ist lernen und was passiert dadurch?

Lernen ist das Aneignen von Wissen und Fähigkeiten (Kompetenzen). Durch Lernen entwickeln wir neue Kompetenzen. Beim Lernen durchschreiten wir nach dem Modell der Kompetenzstufenentwicklung (Noel Burch) immer folgende Stufen: Unbewusste Inkompetenz, bewusste Inkompetenz, bewusste Kompetenz, unbewusste Kompetenz. Wir wissen also am Anfang gar nicht, dass wir es nicht können. Die nächste Stufe umfasst das bewusst werden über die eigene Inkompetenz und das darauffolgende Erlernen neuer Fähigkeiten. Später erlangen wir Bewusstsein darüber, dass wir uns etwas Neues angeeignet haben (bewusste Kompetenz) und entwickeln durch immer weiteres wiederholen schlussendlich automatisierte Handlungsmuster, z.B. beim Auto- oder Fahrradfahren (unbewusste Kompetenz).

Wie funktioniert lernen effektiv?

Das Gehirn bevorzugt Informationen, die gleichzeitig auf mehreren Sinnen angesprochen werden, z.B. haptisch, visuell und akustisch (multisensorische Lerntheorie). So lernen wir am effektivsten. Deswegen lernen wir besonders gut durch Gespräche, durch Selbermachen, spielerisch oder in Workshops und Gruppenarbeiten, weil hier unterschiedliche Kanäle parallel getriggert und oft gelerntes direkt angewendet werden kann.

Was braucht es um zu lernen?

Vier Dinge: Ein Ziel, den Willen zu lernen, die Disziplin der Umsetzung und geeignete Informationsquellen. Die größte Informationsquelle, die wir aktuell benutzen können, ist (wenig überraschend) das Internet. Doch dort ist die Flut an Informationen so riesig, dass man fast erschlagen wird. Wir können nicht alles lernen, doch wie extrahiert man das “wirklich Wichtige” und geht nicht im Suchmaschinendschungel verloren?

  1. Beginne dir einen Überblick zu verschaffen
  2. Priorisieren (z.B. Lernziel definieren) – Lese dazu meinen Beitrag zur Priorisierung
  3. Überfliege und finde Schlüsselbegriffe/Schlüsselpersonen
  4. Notiere Schlüsselbegriffe und Kernaussagen
  5. Vertiefe das Wissen zu Kernthemen (z.B. durch Interviews von Fachkundigen)
  6. Wende erlerntes an (z.B. durch ausprobieren oder fachliches diskutieren)
  7. Wiederhole die Anwendung

Ich hoffe, dass ich dir/euch mit dieser kleinen Zusammenstellung einen Einblick in das Thema lernen geben konnte.

Viel Spaß dabei!