Sharing Economy – Zukunftsmodell?

Wir lieben Besitz. Er gibt uns Sicherheit.

Wer sich mit Kreislaufwirtschaft beschäftigt, stößt unweigerlich auf Geschäftsmodelle wie „Product-as-a-Service“ oder „Sharing“. Weg vom Besitz, hin zur Nutzung.

Eine Gemeinschaft des Teilens.

Ein Wirtschaftssystem, das Besitzenden und/oder Produzierenden finanzielle Anreize für die Schonung von Ressourcen bietet. Produkte können so gestaltet werden, dass sie wiederverwendet oder wiederaufbereitet werden können, anstatt einfach weggeworfen zu werden.

Gehört das Mieten zu unserer Zukunft?

Die Realität zeigt, dass es nicht so einfach ist. Wir klären heute die psychologischen Hintergründe, warum wir gerne besitzen und wie Unternehmen diese emotionale Bindung nutzen können.

Los geht’s!

Warum wir an unseren Besitztümern hängen

Der Grund ist ein Gefühl.

Ein Gefühl, dass „psychologisches Eigentum“ genannt wird. Aufgrund dieses Besitzes messen wir Gegenständen, die wir besitzen, einen höheren Wert bei als denen die wir nicht besitzen. Diese kognitive Verzerrung nennt man „Endowment-Effekt“.

Ob Besitz glücklich macht, ist noch nicht abschließend geklärt, aber er gibt uns ein positives Gefühl der Kontrolle über unsere Umwelt und ihre Ressourcen.1

Das Gefühl ändert sich

Untersuchungen zeigen, dass sich die Bedeutung von Besitz im Laufe des Lebens verändert.

Jüngere Kinder konzentrieren sich mehr auf die Vorstellung, Kontrolle über ihren Besitz zu haben und ihn nutzen zu können. Mit zunehmendem Alter rücken jedoch die eigene Entscheidung, das Nutzungsrecht und die Kontrolle über den Besitz in den Vordergrund.1 Status spielt eine entscheidende Rolle.

Das Auto mit den Nachbar:innen teilen?

Eine sehr noble Idee, aber nicht immer Realität. Es fällt uns sichtlich schwer, dass mühsam Ersparte einfach zu teilen. Was hindert uns daran?

Wertvoll ohne Besitz

Die beschriebene starke emotionale Bindung an Besitz kann den Übergang in die Sharing Economy erschweren.

Unternehmen können diesem Problem begegnen, indem sie die nutzende Person in den Mittelpunkt stellen. Indem sie auf die Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen eingehen, die das Produkt oder die Dienstleistung auslöst. Anbieter wie Airbnb und Uber ermöglichen es, eine Wohnung oder ein Auto zu teilen. Die Plattformen sind erfolgreich, weil sie erschwingliche und bequeme Alternativen zum Besitz bieten und eine Art „Community-Effekt“ erzeugen.

Es ist bequemer, sich ein „Uber“ zu bestellen, als eine Stunde nach einem Parkplatz für das eigene Auto zu suchen.

Was sind Stolpersteine?

Damit ein Modell der Sharing Economy funktioniert, müssen die Nutzenden darauf vertrauen können, dass die Anbieter qualitativ hochwertige Dienstleistungen oder Produkte liefern.

Im Gegenzug müssen die Anbietenden darauf vertrauen können, dass die Nutzenden respektvoll mit ihrem Eigentum umgehen. Daher sind klare Regeln und Richtlinien erforderlich, um die Sicherheit von beiden Seiten zu gewährleisten. Ohne solche Regeln besteht die Gefahr, dass Anbieter Abstriche bei der Sicherheit machen oder Nutzer in unsichere Situationen geraten.

Es ist auch zu beachten, dass es technologische oder geografische Barrieren geben kann, die bestimmte Nutzungsgruppen ausschließen.

Zusammenfassung

Ansätze wie „Product-as-a-Service” und “Sharing” bieten Potenziale zur Reduzierung des Ressourcenverbrauchs, zur Erhöhung der Kundenorientierung und zur Werterhaltung.

Die emotionale Bindung an den Besitz stellt diese Art des Wirtschaftens vor Herausforderungen. Denn Besitz symbolisiert Kontrolle und Status.

Einige Unternehmen setzen bereits auf Nutzerzentrierung, um die Sharing Economy voranzutreiben. Dies zeigt, dass Sicherheit und Identität auch ohne Besitz möglich sind, wenn Unternehmen neue psychologische Vorteile schaffen.

Referenz: 1 Furby, L. (1978). Possession in humans: An exploratory study of its meaning and motivation. Social Behavior and Personality, 6, 49-64. doi:10.2224/sbp.1978.6.1.49

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